Toxische Beziehungen
Eine Toxische Beziehung – Was ist das eigentlich? Woran erkenne ich eine toxische Beziehung? Kann ich mich davon lösen? Diese und ähnliche Fragen habe ich mit Frau Doris Landl-Tornow, Regionalleiterin des Psychosozialen Netzwerkes in Liezen, diskutiert.
Am Anfang war er noch romantisch und einfühlsam…
„Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es in toxischen Beziehungen immer einen dominanten Teil und einen devoten Teil gibt. Die Bedürfnisse des dominanten Teils stehen im Mittelpunkt und der andere hat die Aufgaben brav zu erfüllen.“
Leider ist das nicht immer einfach zu erkennen, wenn man sich in diesem Muster befindet. Gerade am Anfang einer Beziehung scheint alles perfekt zu sein. „Betroffene Frauen schildern einen anfangs sehr verständnisvollen Partner, der großzügig, leidenschaftlich und romantisch ihr Herz erobert. Irgendwann kippt dieses Gefühl jedoch und es stellen sich andere Gefühle ein. Ein erstes Anzeichen könnte sein, dass die Beziehung plötzlich sehr anstrengend und kräfteraubend ist“, erklärt und Doris Landl-Tornow im Gespräch. „Die Frauen- und Mädchenberatungsstelle des PSN betreut unter anderem auch Frauen und Mädchen, die unter dominanten oder ähnlich destruktiven Beziehungsmodellen leiden. Das Erkennen der destruktiven Beziehungsmuster ist ein erster Anfang.“
Wechselbad der Gefühle
„Im Laufe der Beratung wird versucht, die Betroffenen in ihrem Selbstwert zu stärken und es wird ihnen geholfen die schädlichen Muster zu unterbrechen. Manchmal ist es auch nötig neben der Beziehungsberatung auch Sozialarbeit anzubieten, um eventuelle Schritte für eine Trennung einzuleiten“, so die Expertin.
„Die Partner reagieren oft plötzlich mit extremen Stimmungsschwankungen. Die Partnerin hat das Gefühl nicht mehr genau zu wissen, was sie wie sagen soll. Einmal reagiert der Partner wütend, dann wieder überhäuft er sie mit Liebesbekundungen“, so die Leiterin weiter. „Betroffene schildern auch oft, dass sie das Gefühl haben, nicht mehr sie selbst zu sein. Sie müssen sich verbiegen und etwas vorspielen, was gar sie gar nicht sind, um vom Partner akzeptiert zu werden.“
Abhängigkeit und Isolation
Sehr häufig spielt auch Eifersucht eine große Rolle. Treffen mit anderen Freunden werden nicht mehr geduldet und die Partnerin gerät immer häufiger in Isolation. Diese Situation führt in eine immer größere Abhängigkeit vom Partner. Abwertungen wie: Ohne mich bist du nichts! Du redest nur Blödsinn! Das bildest du dir alles nur ein. Deine Freundinnen tun dir nicht gut, etc. sind keine Seltenheit. Das nagt am Selbstwert der Frau. „Das geht oft so weit, dass sogar den eigenen Gefühlen nicht mehr vertraut wird. Eine Trennung wird somit nicht mehr gewagt. Finanzielle Abhängigkeiten, die eine Trennung aus Sicht der Betroffenen unmöglich machen, spielen oftmals die Hauptrolle", so Landl-Tornow abschließend.
Ein Teufelskreis, der leider oftmals nur mehr mit Hilfe von Außen durchbrochen werden kann.
Selbstverantwortung als Wendepunkt
Am Ende hat so eine Beziehung aber auch viel mit Selbstverantwortung zu tun – nicht im Sinne von Schuld, sondern im Sinne von Handlungsspielraum. Wer erkennt, dass eine Beziehung dauerhaft Kraft raubt, den Selbstwert untergräbt und Angst statt Geborgenheit erzeugt, darf sich selbst absolut ernst nehmen und die eigenen Grenzen wieder bewusst wahrnehmen. Selbstverantwortung bedeutet, die Warnsignale nicht länger kleinzureden, Unterstützung anzunehmen und sich Schritt für Schritt aus der Abhängigkeit zu lösen – sei es durch Gespräche mit Vertrauenspersonen, professionelle Beratung oder konkrete organisatorische Vorbereitungen für mehr finanzielle und emotionale Unabhängigkeit. Der Weg hinaus ist oft kein leichter und kein schneller, doch mit jedem klaren Gedanken, jeder klar gesetzten Grenze und jeder getroffenen Entscheidung kann das Vertrauen in die eigene Intuition und Stärke wieder zurückgewonnen werden.