Bitter macht das Leben süßer
Wenn wir in den Supermarkt gehen, quillt das Angebot regelrecht über, egal zu welcher Jahreszeit. Süß, Salzig, Scharf, Sauer – alles im Überfluss vorhanden. Nur bei einer Geschmacksrichtung schaut es recht mager aus: Bitter. Warum uns Bitter überhaupt nicht schmeckt, warum es trotzdem wichtig ist für den Körper und warum es sich doch einmal lohnen würde die „bittere Medizin“ zu schlucken wird hier genauer beleuchtet:
Sobald wir nur dran denken, erfüllt uns die Geschmacksqualität „bitter” mit einem Schütteln. Mehr als bei der Geschmacksrichtung sauer, die besonders die Säfte im Mundbereich aktiviert, fühlen wir uns durch bitter Schmeckendes zentrierter in unserem Körper. Im Gegensatz zu Süßem – Süßes verleiht uns Auftrieb, falls wir einmal „sauer” sind oder das Leben zu „bitter“ ist. Süße lenkt uns von der „bitteren“ Realität ab, gaukelt uns somit etwas vor und wir lassen uns von der Süße „einlullen“. Bitter hingegen konfrontiert uns knallhart mit der Realität. Es macht so sogar spürbar glücklicher – der Mythos der glücklich machenden Schokolade ist somit entgültig entlarvt. (Rohe Kakaobohnen machen jedoch sehr wohl glücklich. Unbehandelt schmecken diese übrigens bitter!)
Bitterstoffe im fernen Osten
Auch Silke Kraml-Matthews, Tuina-Praktikerin aus Schladming, kann uns einiges über Bitterstoffe erzählen: „In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) ist der bittere Geschmack dem Wandlungskreis Feuer, und dem Funktionskreis des Herzens und Dünndarms zugeordnet. Laut TCM ist die bittere Geschmacksrichtung die am besten geeignete um pathogene Faktoren aus dem Körper auszuleiten, während die in der modernen Ernährung so beliebten Geschmäcker „süss“, „salzig“ und „sauer“ dem Körper eher etwas hinzufügen.“
„Bitterstoffe mit ihrer Wirkrichtung nach unten helfen uns also alles loszuwerden, was wir ausscheiden wollen“, erklärt Silke weiter. „Sie haben einen reinigenden Charakter, der Feuchtigkeit ausleitet bzw. verhindert. Wichtig ist es zwischen natürlichen Bitterstoffen, wie sie in Pflanzen vorkommen, und künstlichen Bitterstoffen, wie sie z.B. durch Rösten oder Gären entstehen, zu unterscheiden. Künstliche Bitterstoffe (z.B. in Kaffee, Schwarztee, Kakao oder Rotwein) wirken stark austrocknend und sollten daher nur in Maßen genossen werden!“
Wie Bitterstoffe unserer Verdauung helfen
Einer der wichtigsten Aspekte der Indikation von Bitterstoffen ist, dass durch sie die bewusste Nahrungsaufnahme gefördert wird und wir so aktiv den Verdauungsprozess unterstützen können. Bittermittel helfen uns, dass die inneren Wahrnehmungstätigkeiten in den einzelnen Organen verstärkt werden. Auch viele heimische Heilpflanzen wie Löwenzahn, Wegerich, Enzian oder Schafgarbe enthalten viele Bitterstoffe.
Auch wenn wir vielleicht nicht mehr daran gewöhnt sind – Bitterstoffe sind enorm gesund für unseren Körper, natürlich in einem ausgewogenen Maß. Nicht nur unsere Speichelproduktion wird durch bittere Geschmacksnuancen gesteigert, auch die Tätigkeit von Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse wird angeregt und somit die Fettverdauung erleichtert. Bitterstoffe sorgen für eine erhöhte Produktion der Salzsäure, die im Magen gebildet wird. Gleichzeitig nimmt der Heißhunger auf Süßes ab. Mit Bitterstoffen bieten wir unserem Organismus die volle Bandbreite an Geschmäkern und unterstützen ihn, die zugeführte Nahrung optimal zu verwerten.
Bittere Nahrungsmittel in der TCM:
Grapefruit, Quitte, Löwenzahn, Kresse, Artischocke, Mangold, Kopfsalat, Bier, heißes Wasser, grüner Tee, bittere Kräutertees, Schwarztee, Rooibustee, Artischocke, Aubergine, Chicorée, Endivien, Rucola, Spargel, Zucchini, Kurkuma, Salbei, Zitrusschale, Wacholderbeere, edelsüsser Paprika, Rotwein, Schwarzbier, Basilikum, Liebstöckel, Lorbeer, Majoran, Oregano, Rosmarin, Thymian, Bockshornkleesamen, Kaffee, Bitterlikör, Kakaopulver
Viel Freude beim Leben "versüßen"! :-)